Erfahrungsberichte

Charlottes Erfahrung als Freiwillige auf den Galapagos Inseln

… Galapagos ist gleichbedeutend mit Naturschutz, Umweltverträglichkeit, Diversität, Nachhaltigkeit, Ökotourismus mit labilem Gleichgewicht und grün in jeder Bedeutung und Schattierung. Die Inseln liegen weitab im Pazifik, etwa 1000km vor der Küste Südamerikas und ziemlich genau auf dem Äquator. Auf San Cristóbal gelandet, bezahlte ich am folgenden Montagmittag die 100 USD Eintrittsgebühr für den Nationalpark und wurde am Flugplatz abgeholt.

Das Freiwilligenprojekt auf den Galapagos Inseln ist ein Landwirtschaftsbetrieb mit etwa 20 Kühen (Simmentaler Rasse!) und 50 Hektaren Land, mit einer kleinen Kaffeeplantage zu Studienzwecken und einer Wetterstation. Zwei Mitarbeiter gehören zum Team – der ruhige und hart arbeitende Alfredo, der hauptsächlich das Vieh betreut und den normalen Betrieb am Laufen hält, und Pepe, der sich um die Arbeit mit den Freiwilligen kümmert. Ein junger und echter Naturbursche, der von morgens bis abends mit einem lachenden Gesicht und immer ein Spruch auf den Lippen jeden Tag mit vollem Einsatz arbeitet und alles mit viel Freude und Elan macht. Sei es mit der Machete, im Garten oder der Küche, beim Putzen… er kann einfach alles! Zwei zugelaufene Vierbeiner sind mit von der Partie: Pirata, der kleine Hund, Inselmischling, der trotz seiner kurzen Beine überall dabei ist, und Nugget, die verfressene Tigerkatze; beide immer bereit um sich kraulen und verhätscheln zu lassen.

Mit der Unterstützung von Freiwilligen werden die Aufgaben des Projektes bewältigt. Diese liegen im Ausrotten von invasiven Pflanzen (die schlimmsten ihrer Art sind Brombeeren und Guava) und der Aufforstung mit einheimischen Bäumen, dazu die Unterstützung in der Gemeinde sowie Einsätzen auf den umliegenden Farmen. Daneben wird eine Hippo-Therapie angeboten, um behinderten Kindern Hilfe zu leisten. Ein zusätzlicher Teil der Arbeit besteht darin, sporadisch die Strände vom Abfall zu befreien.

Meine einzigen Bedenken, die ich bei der Buchung noch hatte, verflogen gleich bei meiner Ankunft: anstatt im Schlafraum mit anderen den Platz zu teilen, hatte ich ein ganzes Zimmer für mich, und fast alle sprachen englisch! Zudem gab es eine grosse Küche, wo jeder nach seinem eigenen Gusto selbst kochen konnte. Den fehlenden Internet Zugang kompensierten wir abends oft mit einem Abstecher in die Stadt, wo wir gleichzeitig unsere Einkäufe erledigten. Bei meiner Ankunft waren drei junge Brasilianer, Arthur, Roberto und Xixa, sowie ein Däne als Freiwillige im Einsatz. Ich wurde sofort gut aufgenommen und war mit von der Partie beim Schildkröten füttern und anschliessend beim Roden im Gemüsegarten, später auch beim Kochen. Arbeitsbeginn am Morgen war gegen acht Uhr. An meinem ersten Tag waren wir alle zur Gemeindearbeit eingeteilt um in El Progreso, der nächsten Ortschaft, die Randsteine der Trottoirs mit Kalkweiss zu streichen. Mit krummem Rücken wurden wir um halb zwölf erlöst und verbrachten die Siesta in den Hängematten. Beim zweiten Einsatz in Progreso kam die Polizei vorbei – nicht mit Blaulicht, aber mit Sandwiches und Sprudelwasser zur Stärkung!

Mir wurde gleich zu Beginn der Gemüsegarten zugeteilt, erst um Anzuchtplatten mit Tomaten- und Paprikasamen zu bestücken. Der ganze Garten war nach einer Zerstörung wieder im Aufbau. Am nächsten Morgen ging für mich die Arbeit im Garten mit Beeten vorbereiten und Aussaat weiter, während die Jungs auf dem Feld den invasiven Pflanzen zu Leibe rückten. Die Nachmittagsschicht fiel immer kurz aus und anschliessend gingen die Jungs meist zum Einkauf nach Puerto Baquerizo Moreno, das nur etwa 10 km weit entfernt und per Taxi erreichbar war. Sie nahmen mich gleich mit und zeigten mir, was wo, und wie lief. Jeder loggte sich irgendwo im Netz ein, besorgte den Nachschub an Lebensmitteln und gemeinsam fuhren alle wieder per Taxi zurück und kochten unser Nachtessen. Die ersten paar Tage waren im Flug vorbei und Pepe wies uns in die Putzrunde ein, die nachher immer im Turnus stattfand. Am Abend gab es Pizza! Pepe hatte am Mittag nebenbei den Teig angesetzt und den Pizza-Ofen eingeheizt. Eine neue Facette meiner Arbeit bestand im Kaffeebohnen pflücken. Oben auf dem Hügel mit grandioser Aussicht auf die Küste war eine kleine Kaffeeplantage, die einerseits als Projekt zur natürlichen Schädlingsbekämpfung und andererseits als Kaffeequelle diente. Während ich meiner Arbeit nachging, schwang Alberto mit den Jungs wieder die Machete, um der Verwilderung Einhalt zu gebieten.

Der grosse Moment kam am Freitag mit der Ankunft einer Gruppe von Freiwilligen – neun junge Damen und drei erwachsene Jungs, die allermeisten aus Grossbritannien. Damit waren die Momente der Ruhe vorbei… boten jedoch interessante Einblicke zum Studium des Gruppenverhaltens. Schon stand das erste Wochenende vor der Tür und ich fuhr mit den Jungs nach Puerto, um mir die Stadt etwas näher anzusehen. Voll auf Tourismus ausgerichtet waren Reisebüros, Souvenirläden, ein paar Hotels und Restaurants vorne an der Hauptstrasse angesiedelt. Davor gab es die Hafenmole und Uferpromenade und den Blick frei auf eine ganze Seelöwenkolonie, die sich auf dem Sandstreifen und den Lavafelsen räkelte und herumkriechende Leguane. Auch Seevögel waren immer in Sicht, während die Roten Klippenkrabben ihr Spiel auf den Felsen trieben. Das Getier war immer völlig entspannt, aber ich war kurz gestresst als ich beinahe über einen Leguan stolperte… ohhhh Schreck!

Am Sonntagmorgen war gemeinsamer Aufbruch. Pepe hatte dafür gesorgt, dass der Bus eine Extraschlaufe fuhr. Somit gelangten wir alle erst in die Stadt und weiter auf die andere Seite der Insel. San Cristobal weist nur unten im Süden eine Strasse auf, die quer über die Insel von Puerto Baquerizo nach Puerto Chino führt, von wo aus der Strand zu Fuss erreichbar ist. Kurz vor der Endstation stiegen wir alle aus und besuchten die Aufzuchtstation der Riesen-Landschildkröten. Danach zogen wir an den Strand, der in einer kleinen Bucht liegt. Die Vegetation ist sehr trocken, mit Kakteen durchmischt und der ganze Strand ohne Schatten. Die Sonne brannte hemmungslos und mein Geschmack war immer noch von den Traumstränden der Seychellen verwöhnt. Ich hatte keine Lust zum Schmoren und machte mich bald zu Fuss auf den Rückweg; es gab ein Restaurant an der Strasse etwa vier km weiter vorne… kurz vor meinem Ziel überholten mich die Jungs im Taxi und luden mich auf. Wir kehrten ein, assen Unmengen Empanadas und vertrödelten die Zeit. Bald waren auch die Mädels auf dem Rückweg, die meisten wie gebackene Krabben, wie sich abends zeigte.

Auch in der zweiten Woche wurde mir wieder der Garten zugeteilt für eine weitere Aussaat, zum Wässern und Jäten, während die Gruppe sich auf dem Feld den invasiven Pflanzen widmete. Am Dienstag war wieder Gemeindearbeit; dieses Mal halfen wir Pepes Vater, der nebst seiner kleinen Farm eine Köhlerei mit dem Guava Holz betreibt. Wir sammelten die Holzkohle ein und füllten sie in Säcke ab. Am Mittwoch war eine weitere Aktion geplant; diese bestand im Säubern eines Strandes, der nur über einen Fussmarsch durch den Nationalpark erreichbar war. An der grössten Kaffeeplantage vorbei, die für Starbucks produziert, wurde der Weg mit scharfkantigen Lavabrocken immer wie steiniger. Ich war in meinem angepassten Tempo stets in Begleitung mit einem der Jungs, während die andern loszogen und dann eine unglaubliche Menge von Unrat in Säcken einsammelten. Dank Pepes Vorbereitungen gab es danach eine fröhliche Mittagspause mit Pizza. Eine weitere Facette des Angebots der Hacienda ist die Hippo-Therapie. Alberto machte die beiden Pferde parat und auf dem nahen Sportfeld in Soledad trafen die behinderten Kinder mit Betreuung ein. Dieses Mal brachten die Therapeuten nur zwei Kinder mit. So kehrte ich in den Garten zurück zum Giessen. Am Freitag gab es eine weitere Gruppenarbeit: oben auf dem Hügel mussten unter der Leitung von Alberto Plastiksäcke mit Erde gefüllt werden. Diese dienen zur Anzucht von einheimischen Citrus Bäumen, die später zur Aufforstung der gerodeten Felder dienen. Das Abfülltempo wurde immer wie langsamer, während die Diskussionen zunahmen. Ich half Alberto beim Einordnen und wir streuten die Info, dass wir solange weitermachen müssen, bis genügend Säcke gefüllt sind. Hat gewirkt! 700 Säcke waren bereit, als wir uns zum gemeinsamen Essen hinsetzten konnten, das Pepe für uns alle gekocht hatte. Ein Abschiedsessen für die brasilianischen Jungs kochte ich am Abend mit 3 Pfund Tuna vom Markt, und einem Topf voll Kartoffeln. Zusammen mit einem Kohlgemüse und einer Sauce Béarnaise wurde alles innerhalb kürzester weggeputzt! Danach fuhr die ganze Bande zum Abschied feiern nach Puerto und kehrte erst in den frühen Morgenstunden zurück. Die Fähre nach Santa Cruz legte am Samstag früh um sieben Uhr ab, und die halbe Gruppe wollte die Jungs bis Santa Cruz begleiten. Als ich kurz vor sechs noch keinen Ton gehört hatte, klopfte ich bei den Jungs mal an die Tür... dann ging das Rumoren los! Trotz Chaos haben alle die Fähre erwischt und der Farm stand ein ruhiges Wochenende bevor. Ich fuhr mit zur Mole zum letzten grossen Abschied, erledigte danach letzte Einkäufe, schlenderte der Uferpromenade entlang und verglich die Angebote für Tagesausflüge. Ich wollte unbedingt den blaufüssigen Tölpel sehen, aber alle Ausflüge waren zu lang oder zu weit. So startete ich am Sonntag von Puerto aus zu Fuss zu einem Rundgang zu einer nahen Bucht, wo sich oft die Seevögel niederliessen. Von den Tölpeln keine Spur, dafür dunkle Wolken am Himmel. Ich erreichte gerade die erste Cafeteria zu Kuchen und Kaffee, als das Donnerwetter losbrach, das sich aber bald wieder beruhigte. Zurück auf der Promenade wich ich den Pfützen und Leguanen aus und sah auf den Lavafelsen einen Tölpel mit den penetrant blauen Füssen keine zwei Meter vor mir!

Wir alle vermissten die fröhlichen Brasilianer, selbst Pepe war ruhiger und ich stand bereits in den Startlöchern zum Packen. Mit Alberto brachte ich am Morgen die Wassermelonensetzlinge auf den Hügel zum Einpflanzen. Es blieb noch Zeit für eine Runde im Garten und putzen, dann ging mein Aufenthalt mit dem letzten Arbeitstag zu Ende. Die Zeit war so schnell verflogen und die Arbeit hatte wirklich Spass gemacht, aber ich war bereit für den nächsten Reiseabschnitt. Ich verabschiedete ich mich von allen, liess meine blau-metallisierten Gummistiefel stehen und flog zurück aufs Festland nach Guayaquil.

 

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